morgen. | Grafik, Raum, Kommunikation

SCHAU.SPIEL.PLATZ. 2017

Das Kennenlernen der Zinnwerke sowie entsprechender Akteur*innen, das behutsame Hineinbewegen in das Umfeld und Wahrnehmen der Bedürfnisse war  inspirierender Anlass für unsere Arbeit »Schau.Spiel.Platz. – Konstruktionen zur kommunikativen Raumnutzung«. Die modularen Installationen sind über das Gelände der Wilhelmsburger Zinnwerke verteilt. Sie bilden die Infrastruktur, aktivieren Nutzer*innen und ermöglichen eine flexible Bespielung. 


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Die Grundstruktur der Objekte bilden lackierte Gerüstteile, die durch individuelle Holzeinbauten und weitere Upcycling-Elemente ergänzt und umgenutzt werden. Beliebig kombiniert, arrangiert und platziert ergeben sie eine modulare Infrastruktur für den Ort. Das Bauen der Kernelemente – drei mobile Tribünen – war ein kreativer Prozess mit teilweise offenem Ausgang, bei dem unterschiedlichste lokale Akteur_innen vernetzt wurden. Ein großer Teil der Produktion wurde mit einem Beschäftigungsträger absolviert, der Langzeitarbeitslose und Geflüchtete in den Arbeitsmarkt integriert. Die unterschiedlichen Level an fachlichem Können, Interessen und Sprachniveaus haben nicht nur die Gestaltung der Elemente beeinflusst, sondern gleichzeitig die Kommunikation im und über den Ort bei den Migrant_innen angeregt.


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Die verschiedenen Bauten ermöglichen es allen Besucher_innen den Ort behutsam zu erobern und zu bespielen. Somit leisten sie Anstoß zur kreativen, mittel- und langfristigen Nutzung von den wenig bis nicht genutzten Flächen. Impulsgeber für die installative Idee waren die vorhandenen, aber unbeachteten Bedürfnisse der Mieter_innen, Beobachtungen und Wünsche der Wilhelmsburger_innen und die Empörung über den Leerstand.

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Die Gerüstinstallationen machten die Freiräume am Veringkanal vor allem im September 2017 zu einer Experimentierfläche für alle. Ein Festmonat für und in den Zinnwerken erprobte Grenzen auf verschiedenen Ebenen – politisch, ökonomisch und sozial. Thematische Veranstaltungen laden zum Konsumieren und Produzieren von Kultur in den leerstehenden Hallen ein.


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Das Eröffnungs-Wochenende
Die unterschiedlichen Sitzmöglichkeiten wurden bei einem vielfältigen Programm eingeweiht: Multiinstrumentalist Sven Kacirek ist Wilhelmsburger und verzauberte am Eröffnungsabend mit besonderen Klängen das geladene Publikum. Die beeindruckende Performance von Oakleaf Stelzenkunst folgte sowie einweihende Worte und politische Statements. Am nächsten Tag wurde der Kulturkanal beim Sommerfest der Wilhelmsburger Zinnwerke von 12 bis 12 zum Epizentrum des »Kanal und Liebe«. Workshops, Konzerte, Lesungen und Kulinarisches machten das Hoffest zum absoluten place to be für alle Kanalliebhaber und solche, die es mal werden wollen.

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Das nachhaltige Mode-Wochenende MODE.SPIEL.PLATZ. war ein Laufsteg für alle, die sich für nachhaltige, faire Mode interessieren und animierte zum Konsumvergnügen mit Verstand. »VinoKilo« war erneut in den Zinnwerken zu Besuch ebenso wie »die Kleiderei«, »die Konsumentin« und die Wilhelmsburger Nachbarinnen von »Kluntje«.

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Der erste GENUSS.SPIEL.PLATZ. entstand in Kooperation mit der »Cookup culinary gallery«. Er lockte Foodies mit interkulturellen Köstlichkeiten und einem  Schmaus zu ausgewählten Klängen vom Plattenteller. Der »Kunst-Imbiss« sorgte für einen feinen Spritzer Kunst und abends flimmerte eine kulinarische Komödie über die Leinwand. In Workshops mit der lokalen Initiative »Minitopia« wurden beispielsweise Öfen gebaut, die man an »Hinz&Kunzt« spenden durfte.

Kino – Theater – Plattenabend
Das erste Indoor-Open-Air-Kino Hamburgs: 
das ZINNEMA Kinoprogramm gliedert sich thematisch in den Festmonat ein. Ebenso wie der Theaterabend »Make War not Love« unter der Regie von Thalia-Schauspieler Steffen Siegmund finden die Kino-Veranstaltungen auf Spendenbasis statt. Niedrigschwellige Veranstaltungen ziehen sowohl Bewohnerinnen aber auch Besucherinnen von der anderen Elbseite in die Zinnwerke. Eine Kooperatioin der beiden Elbseiten gibt es beim Nachbarschafts-Schallplatten-Talk: Sebastian Reier legt als »Booty Carrell« allerlei Schätze der Musikproduktion türkischen Gastarbeiter auf. Booty taucht mit den Interessierten Zuhörerinnen in diese Ära ein, die auch auf der Elbinsel stattgefunden hat. Für das authentische leibliche Wohl sorgen Nurhak und Akile aus Wilhelmsburg.

 

Planungszeitraum
03|2017 bis 06|2017

Realisierungszeitraum
07|2017 bis 09|2017

Leistungen
Konzeption, Gestaltung, Projektmanagement
(Termin- und Kostenplanung), Ausführungsplanung,
Produktionsbetreuung, Bauleitung, Inszenierung

Fotografien
Heike Dietz, Martha Starke

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